aus der Sicht von Deborah

Was wäre ein Bali-Besuch ohne an einem der unzähligen und wunderschönen Strände sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen? Somit ist ein Inselbesuch ein absolutes Muss! Doch wohin soll es gehen? Eine Frage, die mit den 17 000 Inseln die zu Indonesien gehören, garnicht so einfach zu beantworten ist. Doch nach mehreren Unterhaltungen mit anderen Reisenden wurde die Inselgruppe der Gilis neben Lombok verdächtigt oft genannt. Da wir jedoch nur zwei bis drei Tage zur Verfügung haben und Lombok verhältnismäßig groß ist machen die Gilis das Rennen. Während Gili Air eher als Partymeile bekannt ist, soll Gili Meno sehr ruhig sein und trägt auch den Spitznamen Honeymooninsel. Auch wenn zweiteres für uns eher nicht zutritt hört sich die Tatsache, dass es keinen motorisierten Verkehr gibt ziemlich verlockend an. So steuern wir Padangbai an, ein mittelgroßes Örtchen direkt an der Küste. Von hier aus startet jeglicher Schiffsverkehr zu den umliegenden Inseln. Der Weg dorthin lädt dazu ein, die Seele baumeln zu lassen. Durch dichten Wald geht es vorbei an kleinen Ortschaften und Reisplantagen, auf denen im Gegensatz zu den Gesehenen in Ubud „wirklich gearbeitet wird“. Auf einer Anhöhe, von der aus man bereits das Meer sehen kann nehmen wir uns an einer Art Wohnzimmerverkauf eine kalte Cola und genießen, die malerische Aussicht. Die Sonne bereitet sich schon darauf vor unterzugehen und strahlt die aufgebauschten Wolken in einem zarten Rosa an, die sich dann wiederum in dem aufgestauten Wasser der Reisterassen widerspiegeln. Der weitere Weg schlängelt sich steil und serpentinenartig den Berg hinab und bringt die Bremsen unseres Rollers ganz schön zum Glühen – doch Max hat wie immer alles im Griff. Anders als im doch etwas hektischen und sehr touristischen Ubud begegnen wir auf unserem Weg nicht einem anderen Touristen und es herrscht eine angenehme schon fast geheimnisvolle Ruhe.

Wieder einmal widersprechen wir der oft vertretenen Meinung, dass man Padangbai so schnell wie möglich verlassen sollte. Auch wenn es nicht großartig etwas zu sehen gibt, hat das Örtchen etwas Gemütliches. Die Wahl unserer Unterkunft trägt natürlich auch erheblich zu der positiven Überraschung bei. Direkt vor unserem Zimmer befindet sich die Dachterasse mit einer gemütlichen Sitzecke von der aus man über die beleuchteten Bars und Restaurants bis hin zum Hafen sieht – Trauminsel wir kommen!

Am nächsten Tag starten wir nach frischem Obst und Pancake mit dem Speedboot in Richtung Gilli Meno. Bereits die dreistündige Überfahrt leutet die nächsten, entspannten Tage ein. Das Wasser ist tiefblau, es weht eine angenehem Briese, Gute-Laune-Musik schallert aus den Boxen und immer wieder kommen wir an kleinen grünbewachsenen Inselchen vorbei – was will man mehr? Eine Durchsage bittet uns das Gepäck bereit zu stellen für das Shuttleschiff. Denn da das Wasser so seicht ist, kann unser Boot nur bis einige Meter an die Insel heranfahren, wo schon ein kleines Schiff für die letzten paar Meter auf uns wartet. Zwei kurze letzte Schritte durch das kristallklare, warme Wasser dann sind wir da. Bei diesem Anblick kann einem die Kinnlade erst mal auf den Boden Fallen. Ich traue meinen Augen kaum – diese Insel, wie aus dem Katalog ist unser zu Hause für die nächsten Tage. Der Kontrast der weißen Sonnenschirme zum blauen Meer und den lila Blüten erinnert mich immer wieder an die Raffaelowerbung … fehlt nur noch der Schlapphut und ein Kakadu;) Immer wenn andere gesaht hatten es geht nach Bali hatte ich direkt Stelzenhäuser in erster Reihe im Kopf und dachte mir: bestimmt ein teurer Spaß und jetzt stehen meine Füße genau hier, im warmen Sand des Paradises.

Auch wenn ich garnicht mehr so richtig aus dem Staunen heraus komme, machen wir uns dann doch auf den Weg in Richtung Unterkunft. Es geht durch schattige, kleine Gässchen und außer den Glöckchen der Pferde, die die kleinen kutschenartigen Wägen ziehen ist nichts zu hören. Vielleicht hier und da noch ein bisschen Vogelgezwitscher oder einen Hahn, das wars. Unsere Unterkunft bestehend aus drei Bambusgeflochtenen Bungalows mit Palmenblätterdach liegt gerade mal drei Gehminuten vom Strand entfernt – da kann uns nichts mehr halten. Nur schnell das Gepäck abgestellt und rein in die Badeklamotten.

Wieder einmal stehen wir mit offenem Mund da. Vor uns ein weißer Korallenstrand und kleine Baldachine die mit mehreren Liegen zum absoluten Entspannen einladen und das Beste: Außer uns ist niemand hier! Vielleicht die Mittagshitze? Vielleicht der Ramadan? Völlig egal wir haben gerade alles was wir brauchen und wollen nur noch ins kühle Nass. Auch als wir uns später auf zwei der Liegen niederlassen ist von den Touristenmassen, die man uns prophezeit hatte keine Spur. Noch ein zwei andere Leute und ein paar Strandverkäufer, ansonsten haben wir dieses Plätzchen ganz für uns alleine.

Trotz dieser Kulisse, die dazu einlädt überhaupt nichts zu machen, können Max und ich dann noch nicht ganz Ruhe halten. Die Insel ist gerade mal zwei Kilometer lang und so wollen wir den Weg zu einem kleinen Warung, das wir bereits auf dem Hinweg entdeckt hatten dazu nutzen ein bisschen auf Entdeckungstour zu gehen. Die zweite positive Überraschung folgt beim Studieren der Speisekarte. Eigentlich hatten wir erwartet für diese Atmospähre etwas mehr zu bezahlen, was es uns auch definitv wert gewesen wäre. Doch die Preise sind ähnlich zu denen auf Bali und das Essen ist nicht nur optisch sondern auch geschmacklich ein echter Leckerbissen – haben wir es gut!

Während wir so die Wege entlang schlendern vorbei an den kleinen Warungs, Bungalows und Tauchschulen, merken wir, dass die Uhren hier anders ticken, die Welt noch in Ordnung ist. Trotz des Touristenzustroms gibt es keine Betonklötze und Bettenburgen nach europäischem Standard mit westlichem Frühstück und Animation für die Besucher. Hier herrscht das einfache Leben und genau das ist es, was den Flair der Insel ausmacht. Ich bin immer wieder begeistert davon, wie hier aus wenig, ja teils sogar Abfall etwas gemacht wird. Sei es eine betonierte Mauer in die bunte Flaschen als Dekoration eingelassen sind, gefaltete Dosen, die als Lampions dienen oder eine Strandgerlande aus abgestorbenen Korallen. Kreativität und Erfinderreichtum kommen so zusammen und machen das kleine Etwas aus, das liebevolle Detail, welches  alles perfekt macht. Wie schön wäre es könnten wir bei uns in Deutschland auch einfach, einfacher leben?! Vorbei an einem Süßwassersee der in Mitten der Insel liegt kommen wir zu einem anderen Strand. Dieser ist wohl schon etwas belebter als „unserer“, doch auch hier herrscht ausgelassene Stimmung, es läuft angeneheme Musik und die Gäste der Bars genießen ihre Sundowner. Da können auch Max und ich nicht wiederstehen, diesen mehr als perfekten Tag mit einem Kaltgetränk und Blick auf die untergehende Sonne ausklingen zu lassen.

Doch wenn es etwas gibt, was wir beide nicht soo gut können, dann ist es ruhig sitzen. Selbst hier in diesem Himmel auf Erden muss ein bisschen „Action“ her. Daher kommt uns der Schnorchelverleih an unserem Strand gerade recht. Natürlich könnte man auch eine geplante Tour machen, die einen mit dem Schiff noch weiter rausfährt, doch wozu? Das Wasser ist glasklar und ein kleines Workout in Form von Schwimmen hat noch keinem geschadet. Von den Einheimischen bekommen wir noch einen Tipp, wann wir die besten Chancen haben Meeresschildkröten zu sehen. Circa 200 Meter vom Strand entfernt befindet sich unter der Wasseroberfläche ein Meeresgraben, hier lassen sich die Schildkröten gegen Nachmittag auftreiben und so probieren wir unser Glück. Bereits auf den ersten paar Metern präsentiert sich uns ein farbenprächtiges und lebendiges Fischaufkommen. Fische in allen Größen und Formen wuseln um uns herum und die Sonne lässt deren Schuppen in den schönsten Farben schillern. Plötzlich drehen wir uns um und befinden uns ohne es geplant zu haben in einem ganzen Schwarm voller Fische, die sich scheinbar zu einem für uns nicht wahrnehmbaren Takt bewegen. Obwohl eine ungewöhnliche Ruhe herrscht ist immer wieder das Knistern des Wassers zu vernehmen. Und während man so scheinbar schwerelos durch das Wasser gleitet und sich nur auf seinen eigenen Atem und die wunderschöne Welt um einen herum konzentriert, vergisst man Zeit und Raum.

Gerade als wir nach knapp zwei Stunden wieder zurück schwimmen wollen, winkt mir Max auf einmal hektisch zu:“ Komm schnell rüber da ist eine, direkt vor mir!“ Natürlich ist sofort klar was er meint: eine Meeresschildkröte! Mit vier kräftigen Zügen bin ich bei ihm und tatsächlich, direkt vor uns bewegt sich das friedliche Wesen majästetisch durch das Wasser. Immer wieder lässt sie sich treiben und scheint ähnlich wie wir, einfach das Leben zu genießen. Wenn sich das mal nicht gelohnt hat und das Beste wir können diesen Moment ganz für uns genießen ohne andere Tourteilnehmer und drängelnde Guides. Noch einige Zeit schwimmen wir mit ihr mit, bevor sie dann wieder Richtung Meeresgrund abtaucht und ihre Silhouette irgendwann im dunklen Blau des Wassers verschwimmt, bis sie schließlich ganz verschwindet. Keine Frage, das war definitiv mein Tageshighlight, wenn nicht sogar das Highlight von unserer ganzen Zeit hier auf Bali. Leider war es etwas schwierig mit dem Handy und einer mäßig guten, wasserdichten Hülle Bilder für euch festzuhalten. Daher müsst ihr euch das Ganze leider bei Google anschauen…oder noch besser in Bali live;)

Doch so gut es uns hier auch gefällt, am nächsten Tag wartet schon wieder die Fähre Richtung Bali auf uns … wie sagt man: wenn es am Schönsten ist soll man gehen! Doch der kleine Wehmutsanfall ist schnell vergessen, denn in Denpasar wartet schon die nächste Überraschung auf uns. Wie aus dem Nichts erhält Max eine Nachricht von Alex, den wir in Patagonien im Torres del Paine kennen gelernt haben. Wie es der Zufall will landet er heute in Denpasar und natürlich müssen wir nicht lange grübeln, um ein Treffen zu vereinbaren. So sitzen wir kurze Zeit später gemütlich bei Sushi zusammen und es gibt viel zu erzählen von den jeweiligen Reisen des Anderen.
Man trifft sich eben immer zweimal im Leben und das ist auch gut so 🙂


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