aus der Sicht von Max

Stell dir vor … du befindest dich in einem Land am anderen Ende der Welt. Die Sonne geht zuhause auf und nahezu zeitgleich geht sie bei dir unter. Die letzten Sonnenstrahlen hüllen die umliegenden Berge in ein warmes Licht und der Geruch der in der Pfanne bratenden Zwiebeln bringt dich zurück in die Realität. Du befindest dich in Wanaka, einer Stunde nördlich von Queenstown. Die Vögel zwitschern ihre letzten Lieder und werden von den angenehm ruhigen Instrumenten der anderen Camper abgelöst. Ähnlich wie auf Klangschalen musiziert der Nachbar vor sich hin und du genießt die Atmosphäre, die der gemütliche Campingplatz am Fluss ausstrahlt, über dir, der leuchtend klare Sternenhimmel.

4:30Uhr: der Regen prasselt auf das Autodach, du hast die Nacht auf dem Fahrersitz verbracht, um möglichst früh starten zu können. Du hattest große Pläne, den imposanten Hausberg bei Sonnenaufgang zu erklimmen, doch das Wetter macht dir einen Strich durch die Rechnung und wenn du ehrlich bist, ist es im warmen Schlafsack auch ganz schön, sodass du den Start auf ungewisse Zeit verschiebst.
Die ersten Sonnenstrahlen wecken dich. Von den dichten Regenwolken fehlt jede Spur und so beschließt du dich auf den Weg zu machen. Nur schnell den Schlafsack auf die Rückbank geworfen, den Sitz in die richtige Position gebracht und schon befindest du dich wieder auf der Straße. In manchen Häusern herrscht schon Leben, doch der Großteil der kleinen Stadt scheint noch verschlafen. Hell funkelt die Morgensonne auf dem Lake Wanaka und der angenehme Fahrtwind weht die letzte Feuchtigkeit aus dem Auto.
Es stehen dir zweieinhalb Stunden Aufstieg bevor und 1400 Höhenmeter stellen sich zwischen dich und den Gipfel. Ein langweiliger, sich endlos ziehender Schotterpfad, der sich steil den Berg hinauf schlängelt. Die Beine fühlen sich noch schwer an und du tust dich zunächst schwer, deinen Rythmus zu finden. Du hörst wie das goldene Gras im Wind raschelt, spürst die kleinen Steinchen unter den Füßen, die frische, noch kühle Luft auf deiner Haut, wie sie in deine Lungen strömt und dir Kraft für den nächsten Schritt gibt. Wie dein Herz schlägt und sich langsam der Schweiß auf deiner Stirn bildet. Du spürst, dass du lebst!
Den Blick zielstrebig nach vorne gerichtet schreitest du voran, einen Schritt nach dem anderen, die Atmung beruhigt sich. Du bist in deinem Rythmus angekommen, fokussierst deine Gedanken und fossierst das Tempo. Vereinzeilt stehen geschorene Schafe auf dem Weg, die dich neugierig und teils skeptisch beäugen, bevor sie fluchtartig den steilen Abhang hinunter ins hohe Gras laufen. Vereinzelt passierst du andere Wanderer, die den Weg teils gelassen, teils unter größten Anstrengungen hinauf schreiten. Es macht dir allmählich Spaß – eine Herausforderung, die es zu meistern gilt, das Ziel im Auge.
Zwei Stunden befindest du dich nun schon in deinem Trott. Du hattest Zeit über alles erlebte einmal nachzudenken und das Gipfelkreuz rückt langsam aber sicher in greifbare Nähe. Einen letzten steilen Stich, dann hast du es geschafft.
Eine kleine Betonplattform bildet das Ende deines Weges. Es bietet sich dir ein atemberaubender 360 Grad Blick über die umliegende Landschaft. Zu deinen Füßen liegt der Lake Wanaka, der in tiefem blau schimmert, umgeben von gigantischen Gebirgszügen und in der Ferne lässt sich der Rob Roy Gletscher erkennen, der aus dem Gestein heraus schimmert – was ein Anblick!

Die Anstrengung und der zähe Weg waren es 100% wert. Eine angenehme Briese trocknet die noch verschwitzte Kleidung und wohlig warm spürst du die Sonne auf deiner Haut. Du fühlst dich wie der König der Welt, schaust hinunter auf die kleine Stadt Wanaka. Du fühlst dich auf eine Art zuhause. Als gehörst du genau hier her, genau an diesen Ort – am anderen Ende der Welt.

Neben den spektakulären Aussichten vom Roys Peak hat Wanaka noch ein wenig mehr zu bieten. Am malerischen Lake Wanaka wächst der Wanaka Tree, der durch einen Sperrbildschirm von Windows Weltberühmtheit erlangte. Ein ansich recht unscheinbarer Ort, doch die vielen Autos auf dem Parkplatz davor verraten ihn. Massenhaft drängen sich Fotografen am Strand, um eine vergleichbare Aufnahme zu schießen. Im knietiefen Wasser wächst völlig unbeirrt ein zäher Baum aus dem kühlen Nass heraus.
Wir geben uns mit dem erstbesten Bild zufrieden und genießen stattdessen die Einzigartigkeit des Ortes, eine verdiente Abkühlung und das schöne Wetter.

Den Rob Roys Gletscher, den man in weiter Ferne erkennen konnte möchten wir uns noch einmal aus der Nähe ansehen, weswegen wir uns auf den beschwerlichen Weg begeben. 30 Kilometer Schotterpiste liegen vor uns und die ein oder andere Bachdurchquerung. Kein Problem für unser „Allradmonster“! Wie ein professionelles Rallyefahrzeug gleitet unser Flitzer über die unbefestigte Straße, eine riesige Staubwolke im Rückspiegel – was ein Spaß!
Die geringe Bodenfreiheit macht uns jedoch ein wenig zu schaffen. Bei den immer tiefer werdenden Wasserquerungen heißt es zittern und hoffen, dass der Auspuff nicht schon wieder unter unangenehmem Krachen auf den Boden aufsetzt. Etwas erleichtert lassen wir auch das letzte Bachbett hinter uns, sodass dem Hike nichts mehr im Wege steht.
Die Wanderung fällt mit erneut zwei Stunden pro Weg eher kurz aus, doch dafür nicht weniger schön. Über eine Hängebrücke führt uns der Pfad durch dichtes Unterholz und an einigen Aussichtspunkten vorbei. Tiefe Blicke in das vor uns liegende grüne Tal, durch das sich der Fluss in breiten Bahnen schlängelt – eine malerische Aussicht.
Ähnlich wie im Torres del Paine hängt der Eisriese im Felsmassiv und thront unmittelbar vor uns in der Höhe. Unzählige Wasserfälle in allen erdenklichen Größen zieren die Szenerie. Es fällt mir wie immer schwer den Rückweg anzutreten, denn wer weiß wie lange es diesen Anblick noch geben wird?

Lawendel? Das ist doch diese lilane Blume? Was man tatsächlich alles aus der kleinen Wunderpflanze machen kann lernen wir auf einer lokalen Farm, auf der sie auf riesigen Feldern angebaut wird. Leider ist die Saison bereits vorüber, sodass die imposanten lilanen Felder ausbleiben, doch im Shop sind allerhand Erzeugnisse der Pflanzen zu erstehen. Von Eis, über Pflegeprodukte bis hin zu Kuchen uns Süßigkeiten. Eine schöne Gelegenheit den Tag unter der Sonne ausklingen zu lassen.


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