aus der Sicht von Max

„Break the rules and you go to prison. Break the prison rules and you go to Alcatraz.“

Dichte Nebelschwaden hüllen den Pier ein – in der Ferne das dunkel dröhnende Nebelhorn, das die einlaufenden Schiffe in die sichere Bucht lotst. Das noch ruhige Wasser schwappt zart gegen den Pier. Schrill bimmelnd kündigt eine Glocke das aus dem Nebel auftauchende Schiff an. Die nahende „Alcatraz Clipper“ bringt uns heute zum „Fels“, nach Alcatraz, wohl einem der bekanntesten und sagenumwobensten Gefängnisse der Welt.
Einst als Militärstützpunkt zum Schutze der „Bay Area“ erbaut, wurde die Einrichtung nach zwei Jahren zu einem Militärgefängnis umgerüstet. Die einzigartige Lage der Insel ermöglicht nicht nur einen optimalen Schutz der Bucht, sondern eignet sie auch hervorragend zur Nutzung als Isolationsgefängnis. Mehrere Strömungen, die den lebensfeindlichen Fels umgeben sowie das eiskalte Wasser erstickten Fluchtversuche meist im Keim. Anlässlich der steigenden Gang-Aktivitäten und des organisierten Verbrechens durch den Mob wurde das Gefängnis nach Verwendung durch das Militär vom Staat übernommen und für die Unterbringung der schlimmsten und gefürchtetsten Verbrecher des Landes verwendet. Im Gegensatz zu „normalen“ Einrichtungen, wurde Alcatraz jedoch nicht zur Leuterung der Insassen genutzt, sondern als Endstation für hoffnungslose Fälle.
Der Anstalt eilte ein gefürchteter Ruf voraus – man kann sich kaum vorstellen, wie sich die Insassen auf dem Weg zur Insel fühlen mussten, die Hoffnungslosigkeit voraus, die Freiheit und das Leben der Stadt im Nacken.

Regel #5

„Dir steht Essen, Kleidung, Unterkunft und medizinische Grundversorgung zu. ALLES andere was du erhältst ist ein Privileg.“

Aus dem dichten Nebel taucht der Leuchtturm der Anlage auf. Schemenhaft werden die Konturen der Insel erkennbarer, einem unheimlichen, geschichtsträchtigen Ort. Über den am Anlieger befindlichen Unterkünften der Wärter, thront der Zellenkomplex, umringt von Zäunen, unüberwindbaren Mauern und Wachtürmen. Ein steil ansteigender Weg führt an den teilweise zerfallenen Gebäuden vorüber, hin zum Gefängnisblock. Die von einem Audio-Guide geführte Tour startet am Eingang, wo die neuen Häftlinge (Fische) in Empfang genommen wurden. Leibesvisitationen, eine offene Dusche und Einkleidung mit den blauen Sträflingsuniformen standen auf dem Plan, bevor es in den Zellblock ging.

Der Komplex besteht aus vier Zellenblöcken, nummeriert von A bis D, die von links nach rechts angeordnet sind. Block A, der aufgrund seines Alters über die geringste Sicherheitsstufe verfügt, wurde nur kurze Zeit zur Unterbringung von Insassen genutzt. Die Blöcke B und C liegen sich mittig im Gebäude gegenüber und verfügen jeweils über eine innere und äußere Reihe. Zwischen diesen beiden Reihen befinet sich der Versorgungsgang, eine schulterbreite Passage, durch die alle erforderlichen Versorgungsleitungen laufen. Wie man sich vorstellen kann, hatte es Vor- und Nachteile auf der Innen-, bzw. Außenseite untergebracht zu sein. Die den Wänden zugewandten äußeren Zellen erlaubten etwas mehr Privatsphäre und Licht durch die gegenüber liegenden Fenster, sie waren jedoch in den kalten Wintern wesentlich kühler.
Block D, der separat in einem eigenen Korridor liegt, beherbergte Unruhestifter. Die Zellen sind etwas größer, was bei einem Einschluss von 23 Stunden pro Tag jedoch teuer erkauft wurde. Am Ende dieser ist das berüchtigte „Loch“ vorzufinden. Vier Zellen, in denen nichts als ein Metallbett, ein Waschbecken und eine Toilette installiert sind. Im Gegensatz zu den restlichen Zellen verfügt das Loch neben der Gittertür, über eine zweite schalldichte Isolationstür. Ist diese erst einmal geschlossen, herrscht völlige Dunkelheit und Totenstille im Inneren. Eigentlich sollte das Licht immer brennen, woran sich die Wärter aber wenig störten. Eine Isolation von maximal neunzehn Tagen trieb die meisten Gefangenen in den Wahnsinn. Sollte der Häftling nach der maximalen Aufenthaltsdauer noch nicht geläutert sein, so wurde er für eine Mahlzeit und eine Dusche heraus genommen und anschließend erneut für neunzehn Tage ins Loch gesteckt. Wie einer der Insassen in dem Audioguide erzählt, riss er sich einen Knopf von der Kleidung ab, warf ihn in die Luft und versuchte ihn auf allen Vieren in der Dunkelheit zu finden. Dies wiederholte er, bis seine Knie wund waren und er nicht mehr weiter konnte. „Auf diese Weise konnte man verhindern, verrückt zu werden.“
Von der Waffengalerie, einem in drei Meter Höhe liegenden, vergitterten Wehrgang, konnte der gesamte Zellenkomplex eingesehen werden. Sobald ein Wärter das Gebäude durch den darunterliegenden Eingang betrat, wurden seine Schlüssel über ein Seil an die bewaffneten Kollegen im Wehrgang übergeben.

Eines der wenigen Privilegien auf Alcatraz stellte Arbeiten dar. Eine willkommene Ablenkung zu den tristen Zellenwänden. Als praktischer Nebeneffekt wurde erhofft, die horenden Kosten der Anstalt darüber ein wenig reduzieren zu können. Dies führte jedoch auch dazu, dass Häftlinge zwangsläufig Zugang zu Werkzeugen gewannen, die von Zeit zu Zeit auch mal verschwanden und in diversen Fluchtversuchen zum Einsatz kamen. Es gelang den Insassen einen aufwändigen und nicht ganz ungefährlichen Weg zu finden, die Werkzeuge von den außen liegenden Arbeitsgebäuden, vorbei an den Metalldetektoren (Snitchboxes), ins Innere des Zellenkomplexes zu schmuggeln.

Regel #21

„Du arbeitest als was auch immer dir aufgetragen wird zu arbeiten.“

Neben dem eiskalten Wasser und den trügerischen Strömungen in der Bucht erschwerten stündliche, zusätzlich Zählungen die Fluchtversuche.
Dennoch wagten einige Häftlinge teils selbstmörderische, verzweifelte, teils geniale, sehr gut durchdachte und geplante Versuche.

In den 29 Jahren des Gefängnisses wurde es Schauplatz von gewaltvollen Aufständen, bei denen mehrer Wärter und Gefangene ihr Leben verloren sowie insgesamt 14 Fluchtversuche. Der wohl Bekannteste fand am 11. Juni 1962  statt. Es gelang Frank Morris, den Brüdern John und Clarence Anglin und Allen West unbemerkt einige Löffel aus der Kantine zu entwenden und damit innerhalb von zwei Jahren jeweils ein Loch um das Gitter innerhalb der Zellen zum Versorgungsgang zu graben. Das Loch wurde mit Hilfe einer Pappmasche-Atrappe verdeckt. Aus Plastik-Regenmäntel bauten die vier eine Art Schlauchboot.

Um der stündlichen Zählung entgehen zu können, hatten sie, aus Seife und Baumwolle, Imitate ihrer Köpfe gebastelt, bemalt und mit echten Haaren beklebt. Zusammengekneulte Laken unter der Decke und die hervorstehenden Köpfe machten die Illusion perfekt und ermöglichten den erforderlichen Zeitvorsprung. In der Fluchtnacht gelang es Allen West nicht rechtzeitig das Gitter aus seiner Zelle zu entfernen, sodass er zurück gelassen wurde. Erst einmal im Versorgungsgang angelangt konnte das Trio an den Rohren hinauf auf den Zellenblock gelangen. Von dort aus ging es weiter auf das Dach des Gebäudes, über die Zäune und ab in die Freiheit.
Von den Flüchtlingen fehlt bis heute jede Spur, was sie zum Grundstoff hunderter Theorien und Geschichten macht. Einige behaupten, sie seien ertrunken, die Familien sind davon überzeugt, dass sie sich nach Südamerika absetzten und erhalten angeblich jährlich Post von den Geflüchteten. Der zurück gebliebene Allen West bestätigte, dass sich die drei während ihres Gefängsnisaufenthaltes mit dem Lernen von Spanisch auseinandersetzten.

Der harte Fels der Insel und die starken, kalten Winde gelten als lebensfeindlich und erbarmungslos. Umso erstaunlicher ist der sich uns bietende Anblick beim Verlassen des Hofes. Bunte Blumen und Kolonien von Vögeln, die den Fels ihr zu Hause nennen. Die Flora wurde einst von den Häftlingen unter Aufsicht der Wärter gepflanzt und wird bis heute von freiwilligen Helfern gepflegt.

Nach Schließung des Gefängnises, 1963 lag die Insel für ein Jahr brach, bevor sie von indigenen Stämmen besetzt wurde. Die Besetzung hielt 19 Monate an und zielte darauf ab, ein Zeichen zu setzen. Wie ihnen damals das Land genommen wurde, so nehmen sie sich ihr Land jetzt zurück. Alcatraz diente symbolisch optimal der Bewegung, denn ähnlich wie die zerschlagenen Stämme, liegt auch die Insel vollständig isoliert von der restlichen Welt. Der eigentliche Plan der Übernahme der Insel an Stammesgebiet schlug zwar fehl, jedoch konnte ein landesweiter Umschwung ausgelöst werden, der die fast vergessenen Indianer erneut etwas in den Fokus brachte und auch politisch stärkte. Nach und nach wurden Areale an die Stämme zurückgegeben und Reservarte gegründet.

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Kategorien: Amerika

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