aus der Sicht von Deborah

Auf unserem weiteren Weg in Richtung Norden stehen als nächstes die Glasshouse-Mountains auf dem Plan. Hierbei handelt es sich um zwölf vulkanische Berge, die scheinbar urplötzlich aus dem Boden ragen.  Durch Zufall kommen wir auf der Raststätte mit einer Einheimischen ins Gespräch, die uns auch prompt eine kleine Skizze anfertigt, wie wir am besten fahren, wo welche Berge mit ihren jeweiligen Trails liegen und welche sie uns davon empfehlen würde.

Mit der handschriftlichen, aber gut nachvollziehbaren Routenplanung machen wir uns auf den Weg. Doch der angesteuerte Mount Beerwah  ist nur über eine der hier häufig verbreiteten Gravelroads erreichbar. Wir fassen uns ein Herz und wollen es zumindest nicht unversucht lassen. Tobi navigiert gekonnt an den Spurrillen und Schlaglöchern vorbei und anfangs scheint es so, als würde unser Mietwagen sich souverän seinen Weg voran kämpfen. Doch als es schließlich einen halben Meter tiefen Absatz zu überwinden gilt stoßen wir mit unserer weißen Offroadbestie doch an ihre Grenzen.  Auch wenn es uns schwer fällt sehen wir uns gezwungen umzukehren.

Also statt bis zum Beginn des eigentlichen Tracks zu fahren, parken wir das Auto am Pistenrand und gehen die restlichen Kilometer eben zu Fuß. Auch wenn es heißer als gedacht ist, spenden die dichten Tannen größtenteils Schatten und sehr bald werden wir auch schon für unsere Mühen belohnt. Max hat auf dem Weg etwas entdeckt. Was aus weiter Entfernung wie ein abgebrochener Ast wirkt stellt sich in Wirklichkeit als urzeitähnliche Echse heraus. Blitzschnell klettert sie einen nahe gelegenen Baum hoch wobei sie sich anmutig, lautlos und schlangenähnlich aufwärts bewegt. Als würde sie sich aufwärmen wollen stoppt sie urplötzlich als sie die Baumkrone, die im Sonnenlicht liegt, erreicht – so haben wir die Möglichkeit sie doch noch vor die Linse zu bekommen!

Der Weg führt weiter über sandige, rote Erde, teils matschig, teils ausgetrocknet. Wieder auf geteerter Straße geht es einen Hügel hinauf, vorbei an Obstplantagen bis wir schließlich am eigentlichen Trackbeginn angelangt sind.

Man hatte uns gesagt, dass es ein relativ anstrengender und anspruchsvoller Weg sei, bei dem man auch ab und zu ein wenig „klettern“ muss, jedoch wird keine Ausrüstung dazu benötigt. Nach all den Wanderungen die wir bereits erlebt haben rechnen wir damit, dass es über Stock und Stein geht und ziehen frohen Mutes los. Auch ein Warnschild, das auf Trageempfehlung eines Helms hinweist und vor Steinfallzonene warnt kann uns erst einmal nicht einschüchtern. Doch als wir dann am Fuße einer Felswand stehen schwindet die Euphorie. Es geht zwar nicht senkrecht die Wand hoch, aber schon recht steil und würde man ins Rutschen kommen, würde einen längere Zeit nichts den freien Fall stoppen. Nachdem Tobi einige Meter geht, um zu prüfen ob sich der Untergrund noch ändert, hört man immer wieder wie die Gummisohle seiner Schuhe über den Stein schrappst und als er beim Zurückkehren sichtlich Mühe und Not hat nicht ins Wanken zu kommen ist unsere Entscheidung gefallen – das ist eine Nummer zu groß für uns!

Wieder am Auto angekommen wollen wir uns aber trotzdem die sagenhafte Aussicht, von der alle so geschwärmt haben nicht entgehen lassen. Daher versuchen wir unser Glück einfach bei einem der anderen Felserhebungen. Der Weg ist ausgezeichnet mit 30-45 Minuten und steht im Ranking bei anstrengend, geht aber einen geteerten Weg hinauf – dann wollen wir mal. So steil wie es hier bergauf geht fühlt es sich schon ein bisschen so an, als würde man die senkrechte Wand hoch kraxeln. Oben angekommen sind wir ganz schön am keuschen…doch es hat sich zu 100% gelohnt!
Von einer kleinen Aussichtsplattform können wir das ganze Tal mit all seinen Glasshousemountains überblicken, deren intensives Grün von der späten Nachmittagssonne in ein warmes, diffuses Licht getaucht wird.

Weiter geht es Richtung Norden, Tableland Nationalpark. Den Namen hat der Park aufgrund seiner Geographie, denn das Blackdown Tableland ist eine sich 600 Meter in die Höhe erhebendes Sandsteinplateau. Als wir über die zunächst noch befestigten und gut geteerten Straßen fahren zeigt sich uns eine bizarre Szenerie. Auf der roten Erde und zwischen Felsen schießen immer wieder Palmen aus dem Boden, die in mir das Gefühl wecken, garnicht so recht hierher zu passen. Wie in einer künstlich inszenierten Welt für die Verfilmung von Jurassic Park mischen sie sich immer wieder unter die großen Bäume mit weißer Rinde, die wir hier schon oft gesehen haben.

Wieder einmal ist es die abenteuerliche Straße die uns dazu zwingt, einen anderen als den ursprünglich geplanten Hike zu gehen. So entscheiden wir uns für zwei kleinere Hikes, die zwar keine besondere Herausforderung darstellen, aber trotzdem durch die besondere Atmosphäre des Parkes führen. Es geht vorbei an Mimosensträuchern deren pomponartigen Blütenbälle leuchtend gelb am blühen sind. An großen Felsen vorbei und über einen kleinen Flusslauf, sowie weite offene Flächen. Der Track hat von Allem etwas zu bieten. An der wenige Kilometer entfernten Aussichtsplattform angelangt, verstehen wir woher der Tabellands Nationalpark seinen Namen hat. Das Land, das uns zu Füßen liegt ist weitläufig und offen und die Berge die sich zwischendurch aus der Ebene erheben sind in ihren Gipfeln komplett abgeflacht, wie ein Tafelberg.
Auf dem Rückweg entdecken wir ein paar Meter vom Hauptweg einen riesigen Felsspalt der an einer Stelle zu einer Art kleinen Höhle ausgewaschen ist. Ein schöner Platz um noch ein paar Minuten zu verweilen.

Der zweite Track führt uns vorbei an  Überbleibseln der ersten Siedler, die dieses Land als Weideland nutzen wollten. Doch schnell merkten sie dass der säurehaltige Boden und die darauf wachsenden Pflanzen keine gute Nahrungsquelle für die Rinder boten. Über kleine Stufen führt der Weg leicht bergauf, bis wir schließlich an Felsvorsprüngen angelangen mit geheimnisvollen Handabdrücken. Man geht davon aus, dass sie von den Aborigines stammen, wobei ihre Bedeutung unklar ist. Auf dem Rückweg zum Parkplatz kommen wir immer wieder an Abschnitten vorbei, in denen die Auswirkungen der Buschbrände unübersehbar sind. Schwarze verbrannte Bäume säumen den Waldweg und man kann nur wage vermuten wie immens das Ausmaß dieses zerstörerischen Feuers gewesen sein muss. Doch die neuen, saftig grünen Baumsprösslinge setzen ein Zeichen der Hoffnung und durchbrechen das schwarze, tote Land.

Bei unserer Ausfahrt aus dem Nationpark bietet sich uns noch einmal ein spektakärer Ausblick von einem Plateau über das gesamte Tal. Hier fällt es nicht schwer sich wie der König der Welt zu fühlen.


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